Review: Hitchcock

Als großer Hitchcock Fan – zwei Biografien gelesen, zwei große Filmboxen zuhause und einen Universitätskurs über ihn belegt – erfreute es mich sehr, dass es endlich neuen Stoff zum Master of Suspense geben sollte. Lange wartete ich und dann kam der Trailer zum Vorschein und haute mich um (siehe unten). Der Trailer fängt wirklich gut die Stimmung ein, die Suspense, den Konflikt. Leider, muss man dazusagen, kommen einige Stellen, die im Trailer wirklich gut sind, im Film etwas weniger knackig rüber. Aber fangen wir vorn vorne an.

“Hitchcock” ist keine Biografie. Der Film zeigt Hitch und seine Frau Alma während der Produktion zu seinem größten Erfolg: “Psycho”. Psycho ist ein Low-Budget Film an den niemand so recht geglaubt hat. Doch was Hitch daraus gemacht hat, ist ein wahres Wunderwerk.

“Hitchcock” bleibt wirklich nah an der Wirklichkeit – echte Bilder, echte Zitate, echte Poster, echte Begebenheiten. Wenn man auch nur eine Biografie gelesen hat, findet man all das in “Hitchcock” wieder. Und so muss das sein.

Zum Inhalt bleibt nicht viel zu sagen, man muss eben selber sehen, sonst fehlt die Suspense (fast wie bei Psycho). Aber die schauspielerische Leistung ist bewundernswert. Anthony Hopkins erkennt man kaum, auch seine Stimme nicht. Ich habe den Film im Original geguckt, was ich jedem wärmstens empfehlen kann, denn nur mit original englischem Akzent kommt der echte Hitch perfekt rüber. Hopkins mimt die Art, wie Hitch redet, so gut nach, dass man irgendwann nicht mehr weiß, dass er eigentlich Hopkins ist. (Ist jemandem aufgefallen, dass beide die gleichen Initialen haben?) Die ausladenden Formulierungen würden niemals übersetzt den gleichen Effekt haben. Hitchcock hat seine ganz spezifische Art sich auszudrücken, eine Art, die ihm den Wiedererkennungswert gibt, den er heute hat. Hopkins fängt diese Art wirklich gut ein.

Doch wie auch Hitch, wäre Hopkins nur halb so gut, ohne seine Alma, Helen Mirren. Die Strenge, die Aufopferung, das alles erfasst sie herrlich und ihre Ansprache vor Hitch gegen Mitte des Filmes ist so tiefgründig und aus dem Herzen, dass man ihr fast zujubeln möchte. Kein Wunder, dass Hitch/Hopkins danach mehr sieht, was er an ihr hat und ihr das gibt, was ihr zusteht. Liest man Hitchcock-Biografien, wünschte man sich das Gleiche in der Realität – und bekam es auch, bei einer Dankesrede von Hitch, die auch im Film erwähnt wird.

Suspense fehlt hier auch nicht. In der Kinoszene, der Montage zwischen Hitch, der Musik von Bernard Herrmann und den Reaktionen der Zuschauer, kribbelt der ganze Körper mit, als würde man selbst noch einmal die Duschszene von Psycho sehen. Das gleiche Kribbeln kommt kurz wieder, als am Ende eine Krähe auftaucht. Wunderbarer Hint für alle Kenner.

Hitchcock” lohnt sich. Vor allem für Fans. Aber auch Scarlett Johansson ist nicht zu verachten. Ein wunderbarer Blick hinter die Kulissen und in Hitchs Leben – wunderbare gespielt, wunderbar inszeniert. Würdig.

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Titel / OV Titel: Hitchcock
Schauspieler: Anthony Hopkins, Helen Mirren, James D’Arcy, Scarlett Johansson
Regisseur: Sacha Gervasi
Erscheinungsdatum: 14. März 2013 (Kino), 12. Juli 2013 (DVD)

Reviewmedium: Kino OmU
Rating: 4,5 von 5