Gone Girl – David Fincher überzeugt erneut mit genialem Storytelling

David Finchers zehnter Kinofilm. Ganz gespannt sitzt man im Kinosessel und dann beginnt der Film, wie Social Network, mit einer Intro-Sequenz. Doch die zeigt schon, wie der Film weitergehen wird: schnelle Schnitte, das Auge weiß gar nicht wo es hinsehen soll. Hui hui, das Tempo wird ordentlich vorgelegt.

Wer das Buch von Gone Girl gelesen hat, der wird den Plot ja einigermaßen kennen. Ich empfehle aber für alle, die das Buch nicht kennen: schaut euch nichts an, lest euch nichts durch! So wird es spannender. Ich werde mir das Buch auch erst danach durchlesen.

Was ist hier eigentlich los?

Es geht um Amy und Nick Dunne, ein Vorzeigepärchen, das ihren fünften Hochzeitstag feiert. Doch irgendwas ist plötzlich anders. Als Nick nach Hause kommt, ist Amy verschwunden und der Wohnzimmertisch ist zersplittert. Was ist nur passiert?

Das versucht dann auch die Polizistin Boney (wunderbar gespielt von Kim Dickens) herauszufinden. Alles deutet auf den Ehemann Nick hin. Irgendwas vertuscht er doch. Irgendwann sind auch alle Medien auf ihn heiß. Irgendetwas verheimlicht er, nur was?

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Mindfuck der allerfeinsten Art

Fincher und Flynn (die das Buch und hierzu auch das Screenplay schrieb) schaffen eine wunderbare Atmosphäre, die Musik von Trent Raznor erfüllt dann den Rest. Die schnellen Schnitte, oder Fade-to-Blacks, die Kameraeinstellungen, die Farbigkeit, je nach Storytelling (es wird in Rückblenden und aktuellen Szenen erzählt) – das alles erzeugt eine wunderbare Spannung, die den Zuschauer „on the edge of the seat“ bringt. Man kann gar nicht erwarten bis das nächste Geheimnis gelüftet wird.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit Broadchurch ging mir durch die Kopf, wahrscheinlich aber eben wegen dieser mysteriösen Atmosphäre und der passenden Musik. Das Thema ist ja ähnlich. Ein klassischer Suspense Movie mit Whodunnit-Elementen und regelrechtem Mindfuck, ob den Zeitsprüngen und twisted Storytelling. Fincher war einfach der perfekte Mann für diesen Job.

Cast der Extraklasse

Auch die Besetzungsliste ist einfach grandios. Ben Affleck schafft es, zwischen Sympathie und Hass hin und herzuwechseln und dabei nicht wirklich anders auszusehen. Rosamund Pike ist einfach wunderbar. Sie macht ebenfalls eine Verwandlung durch und schafft es, so überzeugend zu sein, dass man sie fast… Ich möchte nicht Spoilern. Aber auch die Nebenrollen sind wirklich gut besetzt. Margo, gespielt von Carrie Coon, mimt die Zwillingssschwester von Nick wirklich gut. Man kann jede ihrer Aktionen durchaus nachvollziehen. Wie Nick im Film auch sagt, sie ist sein Gewissen. Und sie ist die durch und durch menschliche Seele in diesem Film. Mit ihr kann sich jeder identifizieren. Das macht es leichter, die Gefühle, die der Zuschauer für die Protagonisten entwickelt, auch klarer darzustellen, denn sie macht das für den Zuschauer. Tyler Perry spielt den rockenden Anwalt, der in die ganze Sache noch ein bisschen Humor reinbringt. Und Neil Patrick Harris ist einfach mega creepy. Und alt. Oder extra deswegen so. Aber oh mein Gott, mir kam mehrmals nur der Gedanke „Gruuuuselig.“ bei seinen Szenen.

Der Film bekommt nur 4,5 Punkte weil das Ende so abrupt kam, es hätte ruhig noch weiter gehen können, so spannend war der Film einfach durchgehend. Das Gefühl was bleibt, ist verwirrt, mindfucked und irgendwie bleibt die Spannung auch noch einige Zeit danach.

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Titel / OV Titel: Gone Girl – das perfekte Opfer/ Gone Girl
Schauspieler: Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Carrie Coon,
Regisseur/Produzent: David Fincher
Erscheinungsdatum: 2. Oktober 2014

Reviewer: Anne
Reviewmedium: Kino
Rating: 4,5 von 5

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