Grand Budapest Hotel – Wes Andersons neuestes Meisterwerk

Lang warteten wir sehnsüchtig auf den neuen Wes Anderson Film. Gerade wir, hier im weiten Osten Deutschlands, denn Dresden und vor allem Görlitz waren beteiligt am Filmschaffen.

Aber worum geht es? Zuviel mag ich nicht verraten, schaut euch lieber den grandiosen Film an oder lest das Buch. Es geht um einen Lobbyboy im Grand Budapest Hotel in einem ausgedachten Land, der in eine Erbschaftssache verwickelt wird und am Ende vor der Polizei fliehen muss.

Der Film ist hochgradig besetzt: Bill Murray, Owen Wilson, Jude Law, Ralph Fiennes (Voldemort!), Adrian Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Tilda Swinton (die wirklich kaum zu erkennen war), Edward Norton, und sogar noch mehr! Wie schafft es Wes Anderson nur immer wieder so viele grandiose Schauspieler unter einen Hut zu bekommen und niemanden in den Schatten zu stellen? Herrlich!

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Weiterhin herrlich: die Machart. Die Bilder! Immer, wenn eine Szene in der Geschichte und Vergangenheit spielt, ändert sich das Bild in das 4:3 Format und wird deutlich kleiner. Spielt es in der „Gegenwart“ der Erzählung, ist es 16:9. Außerdem sind die Bilder hochgradig Symmetrisch. Auf Symmetrie legt Herr Anderson wohl sehr viel Wert, denn beim zweiten Schauen viel mir das erst recht auf. Fast jede Szene ist so angelegt, dass man in der Mitte des Bildes, die Mittelachse der Szene erkennt.

Neben den Bildern ist auch die Musik (Alexandre Desplat) einfach wunderbar und die Schauspieler sind natürlich sowieso gut. Der Witz ist subtil und auch offen (vor allem im Deutschen, wie ich finde, im Englischen hört es sich doch etwas vornehmer an, sogar das „Ah, fuck it“ von M. Gustave). Die Geschichte ist hochgradig verwirrend, aber wenn man ordentlich aufpasst (und nicht einschläft wie ich beim ersten Mal – das hatte absolut NICHTS mit dem Film zu tun), kommt man doch recht gut mit. Die Verstrickungen sind zwar kompliziert, ergeben aber wirklich Sinn.

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Und wenn man dann noch nicht genug hat und auch noch auf die Hintergründe aufpasst, erkennt das geschulte Auge Görlitzer Straßen, den Zwinger in Dresden, den Eingang der Alten Meister, den Fürstenzug aus Dresden und im Hintergrund Gustave Klimt Bilder. Überall. Na huch?

Wirklich ein sehr empfehlenswerter Film. Im Original kommen einige Witze besser (vor allem was unterschiedliche Sprachen anbelangt – und eben auch Wortwitze: im Englischen sagt Jude Law, er sei „Gespannt wie ein Flitzebogen“ und erklärt dann, dass es „on the edge of your seat“ bedeutet. Im Deutschen ist es genau umgekehrt.), aber für das Verständnis, gerade beim ersten Sehen, empfiehlt sich wirklich die Heimatsprache.

Trotzdem: ich sah den Film mit Hollywood-Schauspielern, gedreht in Görlitz und Dresden, auf englisch in einem teuren Pariser Kino. Wie dekadent!

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Titel / OV Titel: Grand Budapest Hotel
Schauspieler: Ralph Fiennes, Adrien Brody, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Edward Norton, Saoirse Ronan, Jason Schwartzman, Tilda Swinton, Owen Wilson,
Regisseur/Produzent: Wes Anderson
Erscheinungsdatum: 6. März 2014

Reviewer: Anne
Reviewmedium: Kino (OV in Paris und Deutsch in Dresden)
Rating: 5 von 5