Place Beyond The Pines – Gosling sagt wieder nichts

Da sitzt man voller Erwartung vor der Leinwand und die Kamera Ryan Gosling drei Minuten lang über einen Jahrmarkt folgt, ohne einmal sein Gesicht zu zeigen. Er steigt auf ein Motorrad und begibt sich in eine große Stahlkugel – mit zwei weiteren Motorradfahrern. Gefährlich, gefährlich – und erinnert ein bisschen ein „Drive“.

Wenn Luke (Gosling) danach dann seine Ex Romina (Eva Mendes) wieder trifft und ihm klar wird, dass die Affäre mit ihr nicht ohne Folgen blieb, kommt einem eine bisschen „Blue Valentine“ wieder hoch. Gosling will für das Mädchen und das Kind sorgen und tut dafür alles. Auch Banken ausrauben. Mit Wackelkamera und großer Motion Sickness Wahrscheinlichkeit, raubt er die erste Bank aus und düst dann mit seinem frisch dunkel lackiertem Stuntmotorrad davon und in einen Truck von seinem befreundeten Werkstattarbeiter. Da übergibt er sich erst einmal kräftig – nett für die Authentizät, schlecht für alle die schon von Motion Sickness geplagt waren.

Gosling ist allgemein ein Mann vieler Taten und weniger der Worte. Nein, er spielt auch nicht mit Mimik, eher guckt er einen stundenlang an bis er, statt zu Antworten, einfach mitkommt. Durch diese Attitüde kam Figur Luke vielleicht erst in die Breduillie des Bankraubes – denn sein letzter Coup ging nicht sehr gut aus.

Ganz nach der Art von Hitchcock’s Psycho wechselt nach einem Drittel des Filmes der Protagonist. Beide Figuren treffen sich in einer actionreichen Szene – scheinbar die einzige Szene im ganzen Film, bei der man wirklich „on the edge of your seat“ sitzt. Bradley Cooper – grundverschieden zu Gosling – übernimmt den Staffelstab und führt den Plot weiter. Eines muss man dem Film doch lassen – die Geschichte ist gut aufgebaut und stimmig.

Das große Manko ist jedoch seine Länge. Erst recht, wenn im zweiten Drittel großer Wert auf die Schuldgefühle und den inneren Konflikt von Coopers Charakter Avery eingegangen wird. Ein Mann, der Ideale hatte und sie verraten hat um ein Held zu sein. Die Schlüsselszene im Krankenhaus kommt aber etwas lapidar daher – man merkt zwar, dass er überlegt was er antwortet, aber den wirklichen Konflikt merkt man erst viel viel später. Und zwar als er herausbekommt, dass der Kriminelle, den er getötet hat, einen einjährigen Sohn hatte, genau wie er selbst. Durch diese Begegnung verändert sich das Leben aller – und ganz besonders das der beiden Jungen. Diese spielen im dritten Teil des Filmes die vorrangige Rolle, allerdings passt der Charakter des Sohnes von Avery kaum zu dem seines Vaters. Lukes Sohn Jason erfährt im Laufe der Zeit, dass der Vater seines Freundes seinen eigenen Vater umgebracht hat – und will sich rächen. Erst an dem Sohn, dann aber doch an dem Vater. Er zeigt im Wald jedoch ein gutes Herz (nachdem Cooper wieder einmal auf die Tränendrüse drückt – aber auf eine gute und beeindruckende Weise) und verschwindet einfach – um sich später ein Motorrad zu kaufen und in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Place beyond the Pines hat viele Eigenschaften von Blue Valentine – die Gleichheit wird nicht zuletzt durch das Zutun von Ryan Gosling unterstützt. Die Themen sind ähnlich, die Dynamik ähnlich starr und langsam. Nur schleppend bewegt man sich von einem Plotpoint zum nächsten. Nach einer Actionszene, folgen drei die nur vor sich herplätschern. Von Cooper weiß man doch, aus Silver Linings, dass er auch große Streitszenen beherrscht. Hier wirkt er ernster, in sich gekehrter, im inneren Kampf mit sich selbst. Eine andere, ruhigere aber hervorragend gespielte Seite. Ryan Gosling kommt mir hier nicht anders vor, als in den anderen Filmen auch. Der Rest des Casts ist hervorragend; von Eva Mendes, die nicht die ganze Zeit sexy gucken muss, über Ray Liotta, der zwielichtig wie immer geheime Machenschaften durchsetzt, bis hin zu Rose Byrne, die ewige Ehefrau. Wem langsames nachdenkliches Kino gefällt, für den sei Place beyond the Pines sicher ein schönes Drama um Schuld, Rache und die Vater-Sohn-Theatralik. Jedoch für Menschen mit Hummeln im Hintern hätte das ganze etwas rascher über die Bühne gehen können.

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Titel / OV Titel: The Place Beyond the Pines
Schauspieler: Ryan Gosling, Eva Mendes, Bradley Cooper
Regisseur/Produzent: Derek Cianfrance
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2013 (Kino)

Reviewmedium: Kino
Rating: 3,5 von 5

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