Review: Gangster Squad – kein LA Noir

Lange haben Kritiker und Fans auf den ersten richtigen Hollywood-Blockbuster von Ruben
Fleischer
(Zombieland) gewartet. Der Regisseur, der bisher mit intelligenten – wenn auch überzogenen – Komödien die Kinolandschaft beeindrucken konnte, schien eine gewagte Wahl
für das Drehbuch von “Gangster Squad” zu sein. Aber Warner Brothers unterstützten den
Stilbruch und fügte dem Film schließlich noch ein außergewöhnlich reputables Casting hinzu:
Josh Brolin, Ryan Gosling, Nick Nolte, Emma Stone, Sean Penn und die Liste geht noch lange
weiter.

Gangster Squad, der eigentlich schon im September 2012 in den Kinos starten sollte, wurde
als LA Noir Film angekündigt; eine Hommage an düstere Klassiker wie LA Confidential. Man hatte schon eine brillante Vorstellung von Sean Penn angekündigt. Düster fing die Geschichte des Filmes auch an. Nach den Aurora Shootings im Sommer 2012 musste der Film wegen zu ähnlichen Szenen geändert und verschoben werden. Damit war jede Chance auf einen Oscar ausgeschlossen. Im Nachhinein ist klar: den hätte Gangster Squad nicht verdient.

Gangster Squad basiert lose auf dem Roman “Tales from a Gangster Squad” von Paul Liebermann. Im verdreckten Los Angeles der 40er und 50er Jahre macht sich die Mafia der amerikanischen Ostküste breit. An ihrer Spitze sitzt der Mobster Mickey Cohen, ein sadistischer
Antichrist der gesetzestreuen Bürger Amerikas. Er weitet seine kriminelle Organisation von New
York nach Los Angeles aus, und die Polizei steht im machtlos gegenüber. Mit welchem Elan
er bei seinen Machenschaften vorgeht, sieht man bereits in der ersten Szene, die in moderner
Scattermanier mit viel zu inszenierter und ästhetisierter Gewalt triumphiert. Bliebe es bei
diesem anfänglichen Schockmoment, könnte man hier “Drive” referenzieren, der Erfolgshit des
letzten Jahres, der überstilisierte Gewalt quasi professionell in seine tiefdunkle, atmosphärische
Erzählweise eingliedert. Aber Gangster Squad ist trotz Ryan Gosling nicht mal im Ansatz so visuell anregend und überraschend. Das Gewaltinferno, dass sich nach der ersten halben Stunde fast gänzlich über den Film legt und dabei nur geringfügig ein bisschen Plot in die Soße sprenkelt, schafft es nie, die Stimmung eines Film Noirs zu erreichen.

Mickey Cohen (Sean Penn), der Mafiaboss, mischt in allem mit, was mit organisierter
Kriminalität in Verbundenheit gebracht werden kann: illegalle Sportwetten, Drogenhandel,
Waffenschmuggel, Prostitution, Casinos in Hinterzimmern. Die Justiz hat er so geschmiert,
dass er quasi unsterblich ist. Der Polizeichef (Nick Nolte) will das nicht mehr wahrhaben. Er
befiehlt seinen zwei besten Sargeants Jerry Wooters und John O’Mara (Ryan Gosling und Josh
Brolin) ihre Marken abzulegen, eine Undercover-Einheit auf die Beine zu stellen (deren anderen
Mitglieder man nur flüchtig begegnet), und auf eigene Faust gegen Cohen anzugehen. Daraus
entsteht nicht mehr als ein Krieg der Banden; destruktiv, explosiv. Irgendwo dazwischen wird
eine Romanze zwischen Cohens Freundin, gespielt von Emma Stone, und dem brodelnden Sgt.
Wooters inszeniert, die nie besonders überzeugend rüberkommt.

Man kann nicht behaupten, dass Gangster Squad nicht unterhaltsam wäre: ein echter, testosterongeladener Hollywoodblockbuster ist der Film von Fleischer so oder so. Das Casting überzeugt technisch und bietet das beste, was Hollywood nun mal derzeit zu bieten hat. Wer allerdings einen tiefergehenden, inhaltlich überzeugenden Streifen erwartet hat, der sollte sich nicht zu viel versprechen und im DVD-Regal potenziell lieber noch mal zu Drive greifen.