22. FilmFest Dresden

Es war mal wieder soweit. Vom 20. bis zum 25. April stand Dresden im Zeichen der Kurzfilme.
Auch ich hatte die Möglichkeit dabei zu sein und möchte euch dieses wundervolle Filmfestival natürlich nicht vorenthalten.

Am Mittwoch, also am zweiten Tag des Filmfestes hatte ich die Möglichkeit die Veranstaltung „DDR entspannt“ in der Schauburg zu besuchen.

[Lest weiter und erfahrt, wer die begehrten Preise gewonnen hat!]

Die Schauburg war am Mittwoch gut besucht, da wir relativ zeitig da waren, hatten wir die Möglichkeit uns einen Platz auszusuchen, der Saal war zum Beginn brechend voll.
Die vielen kleinen Kurzfilme aus – und nicht über – der DDR waren sehr unterhaltsam, was man teilweise am schallenden Gelächter des Publikums unschwer erkennen konnte.
Da gab es Filme über Kellnerinnen, Seifenkistenrennen, Zeltplätze, ein Erlebnisbad in Berlin, ein Krokodil und eine ältere Dame, die DJ ist.


Die Stuntmänner der DDR


Die guten alten Zeltplätze.


Ein Taff Test aus der DDR. Nahm es da schon seine Anfänge?

Hier könnt ihr den Podcast zum zweiten Tag sehen. Wenn ihr aufpasst, könnt ihr sogar einen winzigen Blick auf mich werfen, ich sitze im Publikum bei DDR entspannt, recht weit hinten, direkt an der Wand, habe was weißes an ;D

Ich konnte leider nicht das komplette Filmfest begleiten, deswegen kann ich nicht ausführlich über jeden Preisträger oder jede Nominierung berichten.

Hier jedoch die Gewinner:

Internationaler Wettbewerb
Jury: Insa Wiese, Iva Švarcová, Christian DeVita

Goldener Reiter Animationsfilm (7.500 Euro) „Parade“ (Frankreich, Regie:
Pierre Emmanuelle Lyet)

Jurybegründung:
Eine kleine Geschichte mit einfachen Mitteln erzählt. Farben und Formen
kommen auf minimalistische Weise zusammen und erzählen mit sichtbaren und
unsichtbaren Elementen. Der Betrachter wird aufgefordert, sich mit seiner
eigenen Vorstellungskraft auf diese Welt einzulassen. Clever und mit
Leichtigkeit präsentiert der Regisseur hier sein Regiedebüt.

Goldener Reiter Kurzspielfilm (7.500 Euro) „Moja Biedna Glowa“ („My poor
Head“, Polen, Regie: Adrian Panek)

Jurybegründung:
Eine Beerdigung verändert das Leben von Vater und Sohn radikal. Der Vater
bricht zusammen und verweigert sich. Seinem halbwüchsigen Sohn bleibt nichts
anderes übrig als für beide Verantwortung zu übernehmen.

Goldener Reiter des Publikums (3.000 Euro), gestiftet von der Sächsischen
Zeitung „Crossing“ (Großbritannien/Italien, Regie: Silvana Aguirra Zegarra,)

ARTE Kurzfilmpreis (6.000 Euro)
„Crossing“ (Großbritannien/Italien, Regie: Silvana Aguirre Zegarra)

Jurybegründung:
Der Gewinnerfilm ist eine bezaubernde Kurzgeschichte über die erste Liebe.
Sensibel und klug erzählt, wecken der halbblinde Junge und das charmante
lustige Mädchen die Gefühle der Betrachter mit einfachen Blicken und Gesten.
Die begabten Jungdarsteller haben in diesem Film wenig Text, denn hier
spielt das „Sehen können“ oder „Gesehen werden“ die Hauptrolle und die
Kamera folgt einfühlsam ihrer ersten Begegnung.

Lobende Erwähnungen der Internationalen Jury:
„Photograph of Jesus“ (Großbritannien, Regie: Laurie Hill)

Jurybegründung:
Ein Film, den wir von Anfang an mochten, mit seinem inspirierenden Konzept,
seiner umfangreichen Recherche und mit seiner hervorragenden filmischen
Umsetzung. Er führt den Betrachter in eine Welt der Bilder und erzeugt neue
visuelle Landschaften voller Humor.

„M“ (Kanada, Regie: Felix Dufour-Laperriere)

Jurybegründung:
Diesem Film liegt ein romantisches Konzept zu Grunde: Auf kleinen Details
aufbauend, legen sich pulsierende Animationen in einer nahezu industriellen
Kakophonie rhythmisch übereinander. Wir möchten diesem Film und seinem
Regisseur für die bestechende Visualisierung und geradezu telepathische
Zusammenarbeit mit dem Komponisten loben.

„Kids might fly” (Großbritannien, Regie: Alex Taylor)

Jurybegründung:
Dieser Film vermittelt auf charmante Weise in wenigen Minuten einen Einblick
in das authentische Lebensgefühl von Kindern und Jugendlichen im Osten
Londons, ohne zu werten.

„Live a bit longer“ (Belgien, David Lambert)

Jurybegründung:
Der Film beginnt mit zwei Männern in einem Bett. Nicht jedermanns Geschmack,
dachten wir. Da hatten wir uns aber getäuscht. Mit Gespür für das richtige
Timing und einer beindruckenden Schauspielleistung konfrontiert uns dieser
hochemotionale Film mit einem plötzlichen Verlust.


Nationaler Wettbewerb
Jury: Franz Winzentsen, Volker Schlecht, Andreas Gläßer

Goldener Reiter Animationsfilm (3.000 Euro), gestiftet vom Deutschen
Institut für Animationsfilm e.V.
„Lumo“ (Regie: Antje Heyn)

Jurybegründung:
Der Film thematisiert den Prozess des Trickfilmzeichnens, des Animierens,
des Lebendigmachens einer Figur, einer Szene, die Herstellung der filmischen
Illusion, zeigt das Denken und Erzählen mit dem Stift, wie es nur der
Trickfilm kann, jenseits aufwändiger Technik und Dramaturgie, ohne große
Gesten, charmant und rührend, mit feinem Humor, und doch präzise beobachtet,
fein ausgewogen und auf den Punkt. Jede Bewegung sitzt, kein Strich zu viel,
keiner zu wenig. Er ist das umwerfend Einfache, das so schwer zu machen ist.

Goldener Reiter Kurzspielfilm (3.000 Euro) „Vatertag“ (Regie: Olaf Held)

Jurybegründung:
Der Film erzählt nicht nur eine Episode aus dem Leben eines Trennungskindes,
sondern auch die damit verknüpfte hinreißend poetische Geschichte eines
Teddybären. Der Film unterscheidet sich wohltuend von manchen auf
Massenkonsum zielenden Produktionen, die eine totale Vereinnahmung des
Betrachters anstreben.

Filmförderpreis der Kunstministerin (20.000 Euro), gestiftet vom Sächsischen
Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst „Ich bin’s, Helmut“ (Regie:
Nicolas Steiner)

Jurybegründung:
Was bleibt von einem Leben, wenn man den Ballast des Alltags entfernt? Das
zeigt uns der Regisseur in seinem Film. Eindrucksvoll, konsequent und immer
wieder überraschend dekonstruiert er die Welt seines Protagonisten. Ohne das
Schielen auf die Vermarktungsfähigkeit seines Werkes überzeugt er mit einem
unkonventionellen filmischen Ansatz, den wir mit dem Förderpreis
unterstützen möchten.

Goldener Reiter des Publikums (2.000 Euro), gestiftet vom Mitteldeutschen
Rundfunk „Rummel“.“ (Regie: Benjamin Teske)

Drematrix-Förderpreis (2 Tage Motion Capturing im Wert von 1.000 Euro),
gestiftet von Organic Motion & Drematrix „Egodyston“ (Regie: Xenia
Lesniewski)

Jurybegründung:
Gestalterisch überzeugend gelingt der Filmemacherin die künstlerische
Darstellung der Ich-Störung, auf die sie im Titel hinweist. Die Verbindung
dieser Experimentierfreude und Radikalität mit modernster Technologie birgt
die Möglichkeit, für den Bereich des Motion Capturing neue gestalterische
Wege zu entdecken und interessante Positionen zu beziehen.

Lobende Erwähnungen der Nationalen Jury:
„Schattensprung“ (Regie: Olivia Milz)

Jurybegründung:
Ein surrealer, symbolischer, liebevoll bis ins Detail gestalteter Film, der
durch seine dichte Atmosphäre beeindruckt.


„Peschi und Poschi“ (Regie: Jens Rosemann/Max Rademann)

Jurybegründung:
Entgegen dem Trend zur globalen Verständlichkeit und Verwertbarkeit ein
Film, der sich gnadenlos konsequent, naiv und mit großem Herz zur
Regionalkultur bekennt und gleichzeitig die große weite Welt in die Handlung
einbezieht.

Internationaler und Nationaler Wettbewerb

Goldener Reiter KlangMusikPreis (3.000 Euro), gestiftet vom Europäischen
Zentrum der Künste Hellerau

Jury: Dieter Jaenicke, Julia Heimerdinger, Andreas Kersting

„Tuesday“ (USA, Regie: Shirley Petchprapa)

Jurybegründung:
Der Soundtrack des Films „Tuesday“ lässt auf düster-beklemmende Weise am
Innenleben des Protagonisten teilhaben und verfolgt diesen Ansatz konsequent
bis zum Schluss.

„Mr. Foley“ (Irland, Regie: D.A.D.D.Y. aka Mike Ahern & Enda Loughman)

Jurybegründung:
„Mr. Foley“ bezieht seinen Witz aus dem ins filmische Geschehen integrierten
Sounddesign, das somit selbst zum Thema des Filmes wird.

Kurzfilmpreis der deutschen Filmkritik, gestiftet vom Verband der deutschen
Filmkritik

Jury: Bernd Zywietz, Cosima Lutz, Günter Minas

„Heimspiel“ (Regie: Bogdana Vera Lorenz)

Jurybegründung:
Ein Mann, der Vorbild sein sollte, prügelt sich in seiner Freizeit. Zum
Spaß, für den Kick. Dieser bemerkenswerte Kurzfilm konfrontiert uns mit
einem unbequemen, unheimlichen Phänomen: Brutalität, die Selbstzweck ist –
eine Gewalt, bei der die üblichen sozialkritischen Erklärungsmuster nicht
greifen. Kühl und distanziert, zugleich wuchtig und roh zwingt der Film den
Zuschauer aus seiner Deckung, weil er nicht nach dem Woher der Gewalt fragt,
sondern nach dem Wohin. Er greift an, bleibt ambivalent – und das mit einem
Hauptdarsteller, der in seiner Abgründigkeit als Ethiklehrer und Hooligan
voll trifft.

Der von der DEFA-Stiftung ausgelobte Förderpreis (4.000 Euro) wird erst im
Sommer vergeben.

Ich hätte furchtbar gern die ganzen Kurzfilme gesehen. Logorama war übrigens auch nominiert – hat aber nichts gewonnen. Komisch, denn Logorama hat ja auch den Oscar eingeheimst ;D